Die Glaubwürdigkeit der SPD
Der Wirtschaftsreferent der SPD, Eckhard Fischer, fühlte sich dazu berufen den Heise-User “Turbo Tux” in die Nähe von Päderasten zu rücken, als dieser im Heise-Forum ankündigte, einen eigenen DNS-Server betreiben zu wollen.
Mit der neuen gesetzlichen Regelung bekämpfen wir nicht nur die
Verbreitung kinderpornografischer Inhalte im Internet, sondern
schützen zugleich Internetnutzer, sichern rechtsstaatliche Grundsätze und
ermöglichen ein transparentes Verfahren. Sie hingegen haben für sich
die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit sie sich weiterhin
unbeschränkt, wenn Sie denn die Absicht hätten, die Vergewaltigung
von Kindern betrachten können und dies auch im Bekanntenkreis weiter
empfohlen. Die Kinderschänder in dieser Welt werden es Ihnen danken.
Hingegen die Pädophilen, die um ihre Neigung wissen und diese
bekämpfen, danken uns, da sie nun nicht mehr Gefahr laufen, versehentlich auf
entsprechende Seiten zu stoßen.
Ziemlich starker Tobak. Ob die SPD dies unter einer “Versachlichung der Debatte” versteht, ist mir schleierhaft.
Herr Fischer ist offenbar der Meinung, dass jeder, der einen DNS-Server betreibt, der nicht den neuen Zensurgesetzen unterliegt, der Verbreitung von Kinderpornographie Vorschub leistet.
Er stellt damit nicht nur private Betreiber von DNS-Servern, sondern auch legitime Dienste, wie OpenDNS, in die Nähe von Kriminellen.
Die Aussagen Fischers sind offenbar nicht von irgendeiner Sachkenntnis getrübt. Die Tatsache, dass DNS-Sperren ineffektiv sind, leicht umgangen werden können und am Kern des Problems vorbeigehen, scheint Herrn Fischer entgangen zu sein. Stattdessen beschimpft er lieber diejenigen, die direkt auf die Rootserver der DNS-Zone zugreifen. Wahnsinn.
Aber damit nicht genug. Wie man bei evildailystar herausfand, betreibt die SPD selbst einen DNS-Server, der direkt die Server der Rootzone abfragt.
$ dig spd.de
; <<>> DiG 9.4.3-P2 <<>> spd.de
;; global options: printcmd
;; Got answer:
;; ->>HEADER<<- opcode: QUERY, status: NOERROR, id: 8364
;; flags: qr rd ra; QUERY: 1, ANSWER: 1, AUTHORITY: 4, ADDITIONAL: 3;; QUESTION SECTION:
;spd.de. IN A;; ANSWER SECTION:
spd.de. 1800 IN A 194.145.124.51;; AUTHORITY SECTION:
spd.de. 38400 IN NS ns3.arcor-ip.de.
spd.de. 38400 IN NS dns2.spd.de.
spd.de. 38400 IN NS ns1.arcor-ip.de.
spd.de. 38400 IN NS ns2.arcor-ip.de.;; ADDITIONAL SECTION:
ns1.arcor-ip.de. 11578 IN A 145.253.2.19
ns2.arcor-ip.de. 11577 IN A 145.253.2.80
ns3.arcor-ip.de. 11578 IN A 145.253.3.171;; Query time: 47 msec
;; SERVER: 192.168.123.254#53(192.168.123.254)
;; WHEN: Wed Aug 5 21:49:46 2009
;; MSG SIZE rcvd: 170
Nanu. Die SPD betreibt unter dns2.spd.de einen eigenen DNS-Server!
Es handelt sich hierbei auch nicht um ein Alias: der Server gehört zum Netz der SPD. (Details bei evildailystar)
Der Server nimmt auch Anfragen aus dem gesamten Internet entgegen.
Stellt sich die Frage, ob die SPD auch der Verbreitung illegaler Inhalte Vorschub leisten möchte?
Oder ob Herr Fischer sich einfach zu Themen geäußert hat, von denen er nicht das Geringste versteht?
Die CDU betreibt einen solchen Server konsequenter Weise nicht Update: Der DNS-Server der CDU ist konsequenterweise nicht von außen erreichbar.
Vielleicht wäre die Idee, ein Verzeichnis privat betriebener DNS-Server zu erstellen, nicht schlecht.
So könnte jeder Interessierte einen eigenen DNS-Server aufsetzen und ihn einfach anderen Interessierten zugänglich machen. Dies hätte natürlich auch symbolischen Charakter.
Als Fazit bleibt stehen:
Die SPD demonstriert mal wieder völlige Unfähigkeit in Netzangelegenheiten.
Eine Stimme für die SPD im Herbst ist eine Stimme gegen ein freies Netz.
Klarmachen zum Ändern!
“Die CDU betreibt einen solchen Server konsequenter Weise nicht”
Doch, betreibt sie schon :
wall.cdu.de 193.219.105.10
Dieser beantwortet allerdings, im Gegensatz zu dem der “S”PD, keine Anfragen von draussen.
Zensurgegner
6 Aug 09 um 8:01
Danke für deinen Hinweis. Habe den Beitrag korrigiert
Philipp
6 Aug 09 um 8:13